Stellungnahmen von Pädagogen zum Lernen in der Schule
Folgende Zitate kritisieren das oft zu mechanische und häufig lebensferne Lernen in heutigen Schulen. Hierbei werden Kinder und Jugendliche nicht in ihren wesentlichen Interessen und Entwickungsvoraussetzungen angesprochen. Die Hinweise können Erziehung-, Bildungs- und Unterrichtspersonen helfen, ihre eigene Lehrtätigkeit kritisch zu überdenken und das Lernen so zu gestalten, dass Schule nicht mehr als langweilige und unnütze Institution wahrgenommen wird:
"Wer nicht im und durchs Leben die Bedeutung der Schule [...] gefunden hat, dem wird nie die Schule ins Leben übergehen, zum Leben werden. Denn wohl ist die Schule das Höchste, aber nur dann wenn sie Leben ist." (Fröbel 1986).
"Weil die Schule des Kindes Leben und Lernen trennt, weil die Schule dies lebendigste Lebewesen zwingt – in ihren Räumen – ein intelligentes oder dummes, aber ein Lernwesen zu sein, meint die Didaktik, was sie vom Lernen in der Schule feststellt, sei Einsicht in das Lernen, in das Leben des Kindes überhaupt. Und meint, in der Psyche des Kindes gäbe es einen säuberlich abgetrennten Bezirk für Lesen, Schreiben, Rechnen, Handfertigkeit und Religion, und untersucht die Vorgänge in diesem Bezirk, und hält die vorgefundenen Regeln für seelische Gesetzmäßigkeiten. Und sieht nichts vom Bios des Kindes, seinen Trieben, Wünschen, Idealen, nichts von seiner Lust und nichts von seinem Haß gegen den Lernbezirk." (Bernfeld 2000, S. 29).
"Im Kern spitzt sich die (teilweise kontroverse) Diskussion aus Sicht der Schule auf die Frage zu: ist der Störfaktor bei den immer weniger 'pflegeleichten' Kindern zu suchen, wie sie in der Schule 'angeliefert' werden, oder ist die Schule in ihrer derzeitigen Verfassung eine mehr oder weniger untaugliche Einrichtung, um für diese Kinder geeignete Lern- und Lebensformen bereitzustellen?" (Büchner et al. 1994, S. 12).
"Im Lehr-Lern-Prozeß müssen die Prinzipien der Selbstbestimmung der Mitbestimmung und der Solidarität in einer Folge nachwachsender Schwierigkeitsgrade, wachsenden Anspruchs verwirklicht werden. Anders formuliert: in der Form der Mitplanung des Unterrichts bzw. einzelner Unterrichtsphasen durch die Schüler, durch Unterrichtskritik zusammen mit den Schülern, durch 'Unterricht über Unterricht'. Das sind Elemente dessen, was heute unter den Stichworten 'offener', 'schülerzentrierter' bzw. 'schülerorientierter' Unterricht oder unter dem Motto 'Lehrer und Schüler machen Unterricht' erfreulich intensiv diuskutiert wird." (Klafki 1985, S. 77).
Literaturnachweise:
Bernfeld, S.: Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung, Frankfurt a.M. 2000.
Büchner, P.: (Schul-) Kindsein heute zwischen Familie, Schule und außerschulischen Freizeiteinrichtungen. Zum Wandel des heutigen Kinderlebens in der Folge von gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen, In: Büchner, P. u.a. (Hrsg.): Kindliche Lebenswelten, Bildung und innerfamiliale Beziehungen, München 1994, S. 9-42. (= Materialien zum 5. Famlienbericht Bd. 4 Deutsches Jugendinstitut)
Fröbel, F., In: E. Hoffmann, R.Wächter (Hrsg.): Briefe und Dokumente über Keilhau, Stuttgart 1986.
Klafki, W.: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik, Weinheim 1985.
Ulf Sauerbrey, Januar 2009